Seidenreiher auf Sardinien

Weiße Reiher fesseln mich als Fotomotive schon lange. Sie sind nicht besonders selten, punkten auch nicht mit auffälliger Buntheit, es ist die zurückhaltende Eleganz, die mir gefällt. Auf Sardinien lassen sich – je nach Wandersaison – Kuhreiher (Bubulcus ibis), Seidenreiher (Egretta garzetta) und Silberreiher (Egretta alba) beobachten. Die Kleinsten unter den Weißen sind mit einer Körperlänge von 46 bis 56 Zentimeter die Kuhreiher, man sieht sie oft in Gruppen als Begleiter von Schaf- oder Kuhherden, gelegentlich lassen sie sich auch auf dem Rücken von Weidetieren spazieren tragen.

Ein Kuhreiher reitet auf einem Schaf

Kuhreiher

Kuhreiher sind während der Paarungszeit besonders attraktiv, dann zeigen sie an Kopf, Brust und Nacken rostfarbene Schmuckfedern. Das hier gezeigte Foto ist im März entstanden.

Zwei Kuhreiher im Balzgefieder

Seidenreiher

Sehr viel größer als die Kuhreiher sind mit einer Körpergröße von 85 bis 100 Zentimetern die Silberreiher. Zwischen diesen beiden liegen mit 55 bis 65 Zentimetern die Seidenreiher. Mit dem komplett weißen Gefieder ähneln Seidenreiher von weitem den Silberreihern, sind aber bei näherem Hinsehen durch die geringere Größe doch ganz gut von diesen zu unterscheiden. Schnabel und Beine sind bei ihnen schwarz, die Füße gelb, dies stellt ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Silberreiher dar.

Fototipp: Auf Fotos, die das Tier mit langer Brennweite aus der Umgebung herauslösen, lässt sich später am PC die Größe (und damit evtl. auch die Art) oft nicht mehr ablesen. Um dem abzuhelfen ist es hilfreich, bei der Aufnahmeserie auch ein Foto einzuschließen, das die gelben Füße zeigt. Ein schlichtes Dokufoto ohne gestalterische Ambitionen reicht, Hauptsache, die gelben Füße sind halbwegs scharf zu sehen. Dann ist, auch wenn man die Bilder Monate später wieder durchschaut, die Art zweifelsfrei dokumentiert. Die beiden Fotos unter diesem Absatz zeigen so ein Dokufoto und rechts daneben einen Fuß in der Ausschnitts-Vergrößerung.

Ein Seidenreiher zeigt seinen gelben Fuss

Dezente Eleganz

Seidenreiher wirken mit ihrer zierlichen Gestalt sehr elegant. Wenn die filigranen Federn sich im leichten Wind oder beim Gefiederputzen etwas vom Körper abheben, erinnert mich das an feine Spitzendeckchen oder Spinnwebdesign. Das sind die Momente für Fotos, die die dezente Eleganz der Tiere zeigen. In diesen Fällen gefallen mir auch Schwarzweiß-Ausarbeitung sehr gut, eines der beiden Bilder unter diesem Absatz zeigt ein Beispiel.

Dezente Eleganz eines Seidenreihers
Seidenreiher in einer SChwarzweiss-Aufnahme

Besonders spannend wird es, wenn die Tiere ihre Federn als Mittel der „Körpersprache“ einsetzen. Mit aufgebauschtem Gefieder wirkt der Vogel größer. Das kann als Drohgeste gesehen werden. Die beiden kurz hintereinander aufgenommene Fotos unter diesem Absatz zeigen diese Situation. Ich war mit 400mm Brennweite so weit entfernt, dass das Tier sich nicht gestört fühlte. Doch als, in Nachahmung meiner Fotoaktivität, eine Person mit ihrem Smartphone näher ran ging, hat er sich zunächst größer gemacht um zu signalisieren „du da, mit deinem Telefon, hau ab“, als das nicht wirkte, flog er weg.

Seidenreiher mit aufgebauschtem Gefieder
Seidenreiher mit aufgebauschtem Gefieder

Kameraeinstellungen

Das weiße Federkleid kann belichtungstechnisch eine Herausforderung sein. Pralles Sonnenlicht + Mittagszeit meide ich, weil dann die Weißtöne des Gefieders zeichnungslos wegbrechen. In Maßen kann eine Minuskorrektur das noch auffangen. Leichte Schleierwolken am Himmel erzeugen diffuseres Licht auf der Szene. Das ist besser geeignet, die feinen Gefiederdetails im Bild in feine Weißabstufungen umzusetzen. Aber auch bei komplett bewölktem Himmel und sogar bei dem ganz weichen Licht eines Regentags können interessante Fotos gelingen. Die beiden Fotos über diesem Absatz sind bei Regen entstanden. Das Foto unter diesem Absatz dagegen entstand bei leicht diffusem Himmel. Das Tier signalisiert einem Eindringling in die Futtergründe, dass er Abstand halten soll. Auch hier kann eine Belichtungskorrektur sinnvoll sein, in diesem Fall eine Pluskorrektur. Hilfreich ist im Zweifelsfall, wie immer, der Blick ins Histogramm.

Wo finde ich Seidenreiher?

Seidenreiher halten sich gerne an kleinen Teichen auf, sie mögen auch Überschwemmungsgebiete. Nach den starken Regenfällen im Januar und Februar dieses Jahres konnte ich sie zusammen mit Kuhreihern auf einer Viehweide, die sich teilweise in einen See verwandelt hatte, beobachten.

Wovon ernähren sich Seidenreiher?

Über ihre Nahrung weiß Wikipedia zu berichten, dass sie kleine Fische, Frösche, Eidechsen, Würmer, Mollusken und Wasserinsekten fressen. Das nächste Foto zeigt einen Seidenreiher, der mit einem beängstigend großen Regenwurm kämpft.

Seidenreiher mit Regenwurmbeute

Besser als in einem einzelnen Foto lässt sich der Kampf mit dem Riesenregenwurm meiner Meinung nach in einer Sequenz zeigen. Die Reiher-Regenwurm Szene zog sich eine ganze Weile hin. Der Vogel hatte sichtlich Mühe mit seiner Beute. Das gab mir die Gelegenheit zu einer ganzen Reihe von Aufnahmen. Diese habe ich hinterher sortiert und einige davon zur unten gezeigten Sequenz zusammengefügt. Damit die Sequenz harmonisch ineinander übergeht, sind alle Fotos auf das Niveau der Wasseroberfläche abgeglichen. Für eine Präsentation als Einzelbild dagegen ist das nicht unbedingt immer die beste Wahl bei der Bildkomposition. Dafür wäre es manchmal besser, den Bildausschnitt etwas anders zu optimieren.

Hier nun die Reiher-Regenwurm-Sequenz. Mir gefällt diese Art der Präsentation besser, als das Einzelbild oben, weil besser zu sehen ist, welche Mühe der Seidenreiher mit seinem Regenwurm hatte. Was meinst du dazu, welche Darstellung findest du passender?

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8 Kommentare

  1. Hallo Michaela,
    vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen zur Unterscheidung und die Tipps.
    Da muss ich doch mal genauer hinschauen, wenn ich auf heimischen Wiesen weiße Reiher neben dem Silberreiher sehe. Ist selten, kam aber schon vor.

    Liebe Grüße
    Carina

  2. Bellissimo reportage interessante come sempre.
    Brava!!
    Condividiamo ormai da anni la stessa passione per la natura ed è per questo che le nostre uscite ed amicizia hanno un senso e continuità.
    grazie.
    Ancora grazie Michaela per le belle immagini e le nozioni che ci proponi.
    Un abbraccio
    Vittoria

  3. Wirklich fast „furchteinflösende“ Serie :-))
    Hätte nicht gedacht, daß es so lange Regenwürmer gibt. Was meinst du denn mit „auf das Niveau der Wasseroberfläche abgeglichen“?
    Dreht es sich da um die Helligkeitswerte der Wasseroberfläche?

    1. Lieber Bernhard,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Zu deiner Frage: ein wenig abgeglichen habe ich die Position der (unsichtbaren) horizontalen Linie, die die reale Welt im Foto von der Spiegelwelt trennt. Damit die Sequenz alle Bilder auf dem gleichen Niveau relativ zur Wasseroberfläche zeigt.
      LG
      Michaela

  4. Liebe Gisela,
    vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass dir, als Sequenz-Spezialistin, die Reiher-Regenwurm Sequenz gefällt. Zu deiner Frage: ja, das ist wirklich ein Regenwurm. Zuerst hatte ich vermutet, dass es eine Schlange sein könnte. Aber auf einem Foto der Sequenz hängt die Beute so perfekt im Schärfentieferaum, dass ich an der Stelle sehr stark in das Originalbild hineinzoomen und es mir genau anschauen konnte.
    Liebe Grüße
    Michaela

  5. Liebe Michaela,
    wieder einmal ein klasse Bericht. Und die Tipps kann man sicher auch in Regionen verwenden, wo es keine Seidenreiher gibt.
    Die Sequenz finde ich klasse. Auch wenn mir das letzte Foto am besten gefällt, finde ich die Reihe beeindruckend. Ist das wirklich ein Regenwurm? Der muss ja wirklich riesig gewesen sein. Und kämpfte um sein Leben. Dafür hat der Reiher ein prachtvolles Frühstück oder Mittagessen ergattert. Klasse!!
    Grüne Füße sehen ja lustig aus. Haben die Teichrallen doch auch, oder??
    Liebe Grüße
    Gisela

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