Pelikane in Griechenland

Hinweis: alle Bilder vergrößern beim Hineinklicken, die Vollbildansicht ist auf 1200px skaliert.

Vor 12 Jahren war ich das erste Mal am Kerkinisee in Nordgriechenland. Die dort heimischen Krauskopfpelikane (Pelecanus crispus) ziehen jedes Jahr Tierfotografen aus vielen Ländern an. Spätestens seit Caron Steeles‘ wunderbarem „Dancing on Ice“ Gewinnerfoto des Bird Photographer of the Year Contests 2019 ist der See sicher kein Geheimtipp mehr. Dieses Jahr im Oktober zog es mich wieder dort hin. Zahlreiche Flamingos, Grau- und Silberreiher, Lachmöwen, Kormorane, Bläßrallen, Haubentaucher, diverse Entenvogel-Arten und einige Haubenlerchen sind schon bei meiner ersten Uferwanderung präsent. Und das ist nur eine kleine Facette der mit +/- 300 Arten reichen Avifauna am See. Unter Birdingplaces.eu gibt es eine ausführliche – natürlich saisonal variable – Artenliste.

Abendstimmung am Kerkinisee
Mitte Oktober lag schon erster Schnee auf den Bergspitzen

Bei meinen zweiten Kerkinisee Aufenthalt vor mehreren Jahren kam zu meiner großen Begeisterung noch ein Fotothema dazu: die großen, dunklen Wasserbüffel der Region. Der absolute Höhepunkt: die Erlaubnis, eine grasenden Herde und ihren Züchter beim Treiben auf einen anderen Weidegrund zu begleiten. Unvergesslich der Moment, als die Tiere ins Wasser gingen und auf uns zu schwammen. Im Fotoreiseblog habe ich über diese imposante Wasserbüffel-Begegnung berichtet.

In diesem Jahr kam ich mit dem Wunsch, etwas mehr über Interaktion unter Pelikanen zu lernen. Und natürlich auch, um einige Szenen davon mit der Kamera einzufangen. Bevor es mit den Pelikanen so richtig los ging, entdeckte ich am See wieder eine Wasserbüffelherde und obendrein eine große Anzahl grasender Pferde. Wild? Temporär freilaufend? Vermutlich eher das Zweite. Zwei dieser Pferde hatten etwas miteinander auszuhandeln. Das sah auf jeden Fall recht wild aus. Staub wirbelte im goldenen Abendlicht unter den Hufen – ein aufregender Anblick.

Wie schon in den Jahren davor war ich am Morgen mit einem Fischer am See verabredet. Ich hatte ihn am Vortag gefragt, ob ich mit ihm zum Einholen der Netze hinaus fahren dürfte. Große Freude – ich durfte!

Wenn die Fischer die Netze leeren, bekommen sie recht schnell Besuch von den Pelikanen. Die Anflug- und Landeszenen bieten dann tolle Fotomotive voller Dynamik. Krauskopfpelikane werden 160-180 cm groß, die Flügelspannweite beträgt 310-345 cm. Die dunkelgrauen Füße leiten vorgestreckt die Landung ein. Bei einem Körpergewicht von 10-13 kg ein beeindruckender Vorgang. Manchmal scheinen die Tiere dabei ein paar Schritte auf dem Wasser zu laufen, bevor die Bewegung des Fluges abgebremst ist.

Landeanflug …
Zu erkennen sind die dunklen Füße und die 22 Steuerfedern im Schwanz

Wenn beim Leeren der Netze ein Fisch nicht passt, wirft ihn der Fischer wieder zurück ins Wasser. Das ist dann der Moment, in dem die ganze ums Boot herum versammelte Pelikanschar versucht, diesen zu ergattern. Es entsteht ein großes Durcheinander von Schnäbeln, Flügeln und aufspritzenden Wassertropfen. Wenn sich die Action in der vorderen Reihe abspielt, lässt sich das im Foto auf zwei bis drei Akteure eingrenzen. Die Totale als Wimmelbild dagegen hat mich nicht so richtig angesprochen.

Die Pelikane schließen sich also als Kulturfolger dem Menschen (=Fischer) an, dem sich nun wiederum als Kulturfolger-Folger, die Fotografin anschließt. Ist das jetzt bizarr oder pragmatisch? Ist egal, beschließe ich und nutze gerne die Möglichkeit zu Detailaufnahmen aus nächster Nähe.

Der Schnabel eines Krauskopfpelikans misst 37-45 cm. Der orange-gelbe Kehlsack ist sehr dehnbar. Er kann 10-14 Liter Wasser aufnehmen. Im Bild unten links ist dies im Muster, welches an eine Häkel- oder Strickarbeit erinnert (Patentmuster!) zu erkennen.

Der Oberschnabel endet an der Spitze mit einem orangenen Knopf mit Haken. Dieser verschließt den Kehlsack, kann aber auch zum Kneifen des Gegners, zum Rücken kratzen und zur Gefiederpflege benutzt werden.

Beim Beutemachen geht es alles andere als zimperlich zu. Konkurrenten zu schubsen oder wegzudrücken ist dabei nur der harmlosere Teil. Ziemlich extrem fand ich, dass der Kampf um den Fisch bis zum Griff in den Kehlsack eines Konkurrenten geht. Bei diesen Auseinandersetzungen wird der Schnabel als Räuberwerkzeug eingesetzt. Bei manchen Mundraub-Szenen assoziierte ich gekreuzte Säbel.

Mit dem dehnbaren Kehlsack ist der Schnabel ein hervorragender Kescher. Im leichten Gegenlicht zeichnet sich auf dem Foto unten der Fisch im Kehlsack deutlich ab. Dabei stellte sich mir die Frage, wie der Pelikan es fertigbringt, auch Fische, die viel dicker sind als sein Hals, hinunterzuwürgen. Einmal konnte ich beobachten, wie der Hals sich beim Hinuntergleiten der Beute wie bei einer Schlangen ausdehnte.

Dieses Wunderwerkzeug aus Horn und Haut ist kein Leichtgewicht. In Ruhepose oder im Gleitflug legt das Tier darum den Kopf bei gefaltetem Hals nach hinten, um das Gewicht abzustützen.

… und tschüß 🙂

Hier zum Abschluss eine Galerie mit einigen Bildergebnissen der Pelikan Exkursionen. Die Bilder 1-7 und 8-11 sind Sequenzen von Start- und Landevorgängen, danach folgen Situationsszenen mit Schnabel- und Kehlsack in Aktion. Meine Favoriten sind die Nr. 6, 11 und 16. Und welches gefällt dir am besten? Über deinen Kommentar freue ich mich!

Klicke auf ein Vorschaubild zur Vollbildansicht

Klick auf ein Foto >> zur Slideshow

__

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert